Zurück in die Garage - Besuch bei Dräger

Einer der wichtigen Punkte in der Digitalisierung ist Kollaboration. Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Austausch von Ideen, Kommunikation über das was geht - und was nicht geht - ist wesentlich für das Vorankommen. Ganz in diesem Sinne waren wir zu Gast bei Dräger - beim ersten Tag der offenen Garage. Die Mannschaft dort hat Großartiges vor - gezielt die Innovationsfähigkeit eines bereits innovativen Unternehmens durch neue Ansätze noch zu steigern. Eine etwas detailliertere Beschreibung findet sich hier.

Zusammen mit vielen Beschäftigten aus der Konzernzentrale hatten wir Gelegenheit uns anzuschauen, welche Projekte schon mit Hilfe der Garage entwickelt wurden (unter Nutzung der Adobe Kickbox), wie die Pitches aussehen, was mit der VR-Engine ausprobiert wird usw.

Geteilt haben wir dabei unsere Einsichten über Digitale Transformation, Innovationen und welche Rolle Labs, Garagen, Corporate Accelerators etc. dabei spielen. Es gab noch einige Fragen, bevor die Garage für den Abend schloss. Ein interessanter und erlebnisreicher Tag, vielen Dank an Sönke und Thomas und ans ganze Team für den spannenden Austausch.

Besuch der HSBA in der Dräger Garage in Lübeck

Digitale Transformation - ein steiniger Pfad

Viele der (in der "analogen" Welt) erfolgreichen Unternehmen versuchen, sich durch Gründung von Labs, Hubs, Acceleratoren etc. neu zu erfinden. Die Schwierigkeiten dazu sind unter anderem in dieser Studie  von Manuel Funk beschrieben. Es lohnt sich natürlich auch immer, dazu noch mal Clayton Christensen zu lesen. Ein aktueller Bericht darüber, welchen Weg der Lufthansa-Konzern mit seinem Hub geht, findet sich in diesem Beitrag bei Gründerszene.


Kulturelle Unterschiede

Wir hatten ja bei unserer letzten Silicon Valley Reise auch über Startups im Programm von German Accelerator berichtet (Blogpost siehe hier). Dazu passend gibt es einen schönen Artikel auf Deutsche Startups über Oliver Hübler, einen der Gründer von Meisterlabs und dessen Erfahrungen im Silicon Valley. Lesenswert, wie ich finde.


Geschichte wiederholt sich

Es scheint ja immer so, als ob Digitalisierung (oder jeder andere Hype) und die Folgen etwas Brandneues sei. Um das richtig einzuordnen, hilft ein Besuch im Computermuseum (http://www.computerhistory.org) in Mountain View. Relativ schnell wird klar, dass

  1. Computer im (übertragenen) Sinne des Rechenknechts schon über 2000 Jahre existieren - allerdings in immer unterschiedlicher Form, mit ständiger Leistungserhöhung (vgl. Moore's Law)
  2. Die Firmen, die vor dreißig, vierzig oder fünfzig Jahren die Zukunft der Computer darstellten, heute kaum noch jemand kennt. Beispiele gefällig? Acorn, Atari, Bull, Commodore, Compaq, DEC, Next, Olivetti, Schneider, Sun, Tandy, Wang...
  3. sich niemand sicher sein sollte, dass dies heutigen Firmen (in diversen Branchen) nicht auch passieren könnte. Die Paranoia, die vielen CEO's oder Gründern im Silicon Valley zu eigen ist, hat da durchaus ihre Berechtigung. The Rise and Fall of Apple, die dies ja schon mal durchgemacht haben ist da auch immer ein gutes Beispiel.

Auch im eigenen Leben kann man manchmal feststellen, wie schnell sich Dinge wiederholen. In der Designausstellung bei Autodesk hatten wir bei der Führung (vgl. Customer Centricity und Design) unter anderem einen Babywärmer gezeigt bekommen, der vor allem Frühchen mit konstanter Temperatur versorgen soll. Dies ist in Gebieten ohne gute Erstversorgung oder Ausbildung im Umgang mit Brutkästen überlebenswichtig. Wie es der Zufall nun so wollte haben wir an einer öffentlichen Vorlesung der Engineeringfakultät der Uni Stanford teilgenommen. Dort sprach Jane Chen, Absolventin der Fakultät und eine der Ersten, die an den Design Classes der d.school teilgenommen hatte. Jane als Stanford-Alumna ist Co-Founder und CEO der Firma Embrace Innovations. In den Designklassen ist immer auch ein Fokus auf Low-Cost-Lösungen für Entwicklungsländer (Entrepreneurial Design For Extreme Affordability) gelegt, um die soziale Verantwortung zu stärken und zusätzliche Herausforderungen für das Design zu generieren. Daraus entstand die Lösung für einen tragbaren Kinderwärmer, der keine kontinuierliche Energie benötigt. Eine interessante Lösung und obwohl ein solcher Wärmer nur 1% eines konventionellen Inkubators kostet, muss er trotzdem durch ein Produkt für die "Erste Welt" querfinanziert werden. Dem Vortrag war insgesamt anzumerken, dass Jane diesen schon öfter gehalten hat und TED-Erfahrung mitbringt - sehr kurzweilig und emotional. Eine schöne Geschichte auch für das Netzwerk im Valley und die Bereicherung der Hochschulen durch ihre Alumni.

A propos: Am letzten Abend vor dem Rückflug nach Hamburg trafen wir unseren Alumnus Jonathan noch mal bei Pitch & Beer beim German Accelerator. In den Räumen der Deutsche Bank Labs in Palo Alto gab es ein Mentorentreffen des German Accelerator und die aktuell geförderten Unternehmen hatten Pitches für ihre Produkte durchzuführen. Dabei waren nicht nur Softwareprodukte wie z.B. von 3YOURMIND für das Management von 3D-Druckern, sondern auch Trainingskleidung mit Elektrostimulation, eine neue Kurbelgarnitur für Fahrräder oder ein lebensrettender Luftschlauch für Wassersportler. Im Anschluss gab es bei einem kleinen Snack und Bier die Gelegenheit, entweder die Produkte auszuprobieren oder zu Netzwerken. Beides wurde von allen Beteiligten gut angenommen. Für uns war dies ein passender Abschluss von spannenden zehn Tagen.

Wir arbeiten daran, dies auch für unsere Partner aus den Unternehmen zugänglich zu machen und planen bereits den nächsten Aufenthalt.

Auf Wiedersehen, Silicon Valley.


Sightseeing@SV

Es gibt viel zu sehen im Silicon Valley - auch wenn das dem "normalen" Touristen oft verborgen bleibt. Relativ prominent, jedenfalls wenn man aus Osten über die Bay nach Palo Alto kommt, ist der facebook-Daumen vor 1 Hacker Way. Eine beliebte Fotostation. Wir trafen dort eine Einheimische und ihren Mann (beide in den fortgeschrittenen Dreißigern), die mit ihrem Besuch aus Südamerika ein Foto machen wollten. Bei einer dieser Aktionen sind sie schon mal von jungen Menschen aus dem Auto als "Bunch of Nerds" bezeichnet worden. Es gibt doch immer wieder Überraschungen (oder Kurzsichtige)...

Auch bei Google in Mountain View muss natürlich der übliche "been there, did that"-Stopp erfolgen. Also kurz bei dem Android-Männchen vorbeischauen, sich über den falschen Sonnenstand ärgern (die Food-Trucks waren natürlich auch gerade weg), Foto machen, ein paar Meter über den Campus laufen und wieder zurück zum Auto. Google: abgehakt. In die Büros kommt man eh nicht mehr rein, die Führungen sind nicht so spannend, also mehr ein Muss-Stop.

Fototermin mit dem Androiden auf dem Google Campus
Fototermin mit dem Androiden auf dem Google Campus

Ähnlich verhält es sich mit der Heimadresse von Apple. In Cupertino am Infinite Loop Nr. 1 findet sich ein recht unspektakulärer Haupteingang. Das Gleiche gilt für den angeschlossenen Store, der deutlich weniger repräsentativ und kleiner ist, als man erwarten sollte. Allerdings ist dies der einzige Store auf der Welt, der speziell gebrandete T-Shirts, Kaffeetassen, Thermoskannen oder Karten mit dem Apple-Logo verkauft. Wer also ein echter Fan ist, der muss wohl dort einkaufen. So wie die Japaner, die wir dort trafen und die echte Schwierigkeiten hatten, sich zu entscheiden. Alle anderen müssen nicht unbedingt dahin. Das ändert sich sicherlich mit dem spektakulären Neubau (aber wohl erst in 2018).

Ein leicht zu übersehendes Kleinod ist die Garage, in der Bill Hewlett und David Packard ihr erstes Produkt entwickelten, nachdem ihr Professor in Stanford sie dazu motivierte. Die Garage existiert heute noch und ist als nationales Denkmal ("Birthplace of Silicon Valley") anerkannt. Man kann dort in Downtown Palo Alto einfach vorbeifahren und sich von der Gründermentalität inspirieren lassen. Eine vorbeikommende Nachbarin erzählte uns, dass sie schon Leute gesehen haben, die den Boden geküsst oder in Tränen ausgebrochen sind. Das entscheide dann doch jeder für sich...

Die Garage von Hewlett-Packard
Die Garage von Hewlett-Packard

Einen Gegensatz zu den sonstigen Besuchen stellt ein Besuch bei Oracle dar. Zunächst sind die Gebäude hier der Star. Sechs verspiegelte, mehrstöckige Häuser stehen um einen Teich in Redwood Shores herum - in dem der Trimaran USA 17  liegt, der den Americas Cup 2010 gewonnen hat. Mit knapp dreißig Metern Länge und siebzig Metern Masthöhe durchaus eindrucksvoll. Das Segeln eines solchen Bootes ist dann wohl fast so schwierig wie die Software, die Oracle anbietet. Auffällig ist, dass hier relativ viele Männer in Krawatten und Jacketts herumlaufen. Das erinnert schon fast an Europa und fühlt sich stark nach Konzern an. Wahrscheinlich ist das Besondere hier nicht die Unternehmenskultur...

Oracle Headquarter
Oracle Headquarter

Wassermarsch und Wohnortwechsel

Heute sind wir umgezogen von San Francisco ins Valley, genauer gesagt nach Menlo Park. Auf dem Weg dorthin - naja, nicht ganz auf dem Weg - haben wir uns entschlossen, der University of Berkeley einen Besuch abzustatten. Zum Glück für Kalifornien, aber zu unserem Unglück, regnete es fast die ganze Zeit. Eine gute Gelegenheit, im Merchandising Store der Universität einen blau-gelben Regenschirm zu kaufen. Den aktiven Sportlern half das allerdings nicht viel, die Quidditch-Matches fanden bei tiefem Geläuf statt (irgendwie hatte der Nimbus 2000 schon Vorteile).

Quidditch-Match an der UC Berkeley
Quidditch-Match an der UC Berkeley

Auf unserem Marsch über den Campus sahen wir allerdings nicht nur interessanten Sport, sondern trafen auch interessante Zeitgenossen. Neben dem Eichhörnchen, das in der Haas School of Business irgendetwas suchte (wir vermuten: die Vorlesung "Topics in Innovation and Design: Needfinding in the Wild", Nüsse oder den Ausgang) sprach uns auch der selbsternannte Kümmerer für alle Gebäude an. Das Paradoxe war, dass er nach eigenen Aussagen nicht nur mit beiden derzeitigen Präsidentschaftskandidaten der USA, sondern auch mit einem der Friedriche und dem englischen Königshaus verwandt ist. Er sprach ein paar Worte deutsch, teilte uns allerdings die wesentlichen Informationen auf Englisch mit. Unter anderem, dass er 2,5 Milliarden Dollar aufgrund irgendwelcher Aktionen der UN verloren hat, Angela Merkel seit 53 Jahren kennt und an der deutschen Einheit mitgewirkt hat. Dagegen sind die zahlreichen Nobelpreisträger von Berkeley ziemliche Waisenknaben...

Parken - nur für Nobelpreisträger
Parken - nur für Nobelpreisträger

Interessante Menschen also in Berkeley, trotzdem verlegten wir uns am Nachmittag Richtung Menlo Park. Auf dem Weg dorthin hörte es dann auch auf zu regnen und die Sonne kam durch. Am Abend konnten wir sogar Grillen hören, so viel wärmer ist es im Valley.

In unserem neuen Airbnb-Haus empfingen uns schon die Eigentümer - da die Vormieter irgendwie das Waschbecken zerstört hatten und der Abfluss leckte. Zeit genug also, wärend der Hausherr noch die Restarbeiten machte, sich den Garten anzuschauen. Die Vermieterin - früher selbst in der Softwarebranche tätig - baut im Vorgarten Organic Food an. Das ist hier ja sehr im Trend, so finden sich ein Granatapfelbaum, ein Orangenbaum oder Ingwer in verschieden Phasen der Reife. Uns wurde dann auch erklärt, warum. Als sie das Haus gekauft haben, hat sie ein Spreadsheet erstellt und alle Reifeperioden verglichen. So kommt es, dass immer irgendetwas reif zum Essen ist. Dafür ist Excel(tm) also gut...

Der Vermieter ist ebenfalls aus der Techbranche und war CFO in Startups; nebenan wohnt ein Venture Capitalist und die Kinder müssen schon in der vierten Klasse pitchen und Prototypen basteln. Früh übt sich. Zur gleichen Zeit gibt es in Deutschland Diskussionen, ob Kinder in der Schule mit oder ohne Technik lernen sollen. Vielleicht investiert man einfach mal ordentlich in die Lehreraus- und -weiterbildung und entwickelt eine anforderungsgerechte Didaktik...


Von Marken und realen Gütern

Das TGIF-Programm war ein leichter Kontrast zu den ersten vier Tagen. Auch vom Wetter her - seit langer Zeit gab es mal wieder etwas Regen, was für Kalifornien wirklich einen Segen bedeutet.

21st Amendment Brewery

Auf der Taskliste stand für den Freitag zuerst der Besuch einer Craftbeer-Brauerei namens "21st Amendment". Co-Founder Nico Freccia führte uns durch diese relativ neue Anlage. Hier werden ca. 85.000 Barrel Craftbeer pro Jahr gebraut und entweder in Dosen oder in Kegs (Stahlfässer) abgefüllt und dann über die USA verteilt. Damit ist auch schon der USP angesprochen - 21st Amendment war die erste Brauerei, die hochwertiges Bier in Dosen abgefüllt hat. Bis dahin war das eine Angelegenheit für Billigbier und als die Gründer die Idee diskutierten, gab es auch zunächst nur Kopfschütteln. Letztendlich setzten sich aber die Vorteile durch (geringeres Transportvolumen, leichter und robuster als Glas - was vor allem Hiker zu schätzen wussten, sowie Schutz des lichtempfindlichen Bieres). Da zeigt sich, dass es sich lohnt, den Kunden bei der Benutzung zu beobachten oder mit ihm gemeinsam das Produkt zu entwickeln (u.a. mit Design Thinking, Storytelling etc.).

In der alten Kelloggs-Cerealienfabrik, die mit viel deutscher Technik ausgerüstet ist (Künzel, GEA...) werden acht Brauvorgänge pro Tag durchgeführt - übrigens auch mit wichtigen Ingredienzen aus good old Germany. Das was in der Fabrik an einem Tag produziert wird, wurde früher in der kleinen Brauereikneipe in der 2nd Street in einem ganzen Jahr hergestellt. Nach Jahren des zweistelligen Wachstums flacht die Entwicklung jetzt etwas ab - unter anderem deshalb, weil es inzwischen ca. 4700 Mikrobrauereien gibt - mehr als vor der Prohibition...

Buena Vista Winery
In den Hügeln im Norden von San Francisco liegt das Weinanbaugebiet Sonoma Valley westlich vom bekannteren Napa Valley. Das führt dazu, dass mehr kühlender Wind vom Pazifik das Tal entlang weht und die Trauben kühlt, was zu einer langsameren Reifung führt. Am Rande von Sonoma liegt die Buena Vista Winery, dort werden Weine aus den Trauben der Gegend gekeltert. Die Trauben werden dabei von Bauern der umliegenden Weinberge geliefert.
Als Gruppe hatten wir eine spezielle Besichtigung gebucht: die "Be the Count Blending Experience" (toller Name!). Nach einer kurzen Führung durch die Keller durften die Studierenden zunächst Weine kosten, bevor sie in drei Gruppen aufgeteilt wurden. Diese drei Gruppen traten dann beim Blending von Rotweinen gegeneinander an. Aus Grenache, Merlot, Zinfandel und Syrah galt es, mit Hilfe von Messzylinder und Pipette die beste Mischung herzustellen. Nach etwas Ausprobieren (Prototyping) und dem Vergleich unterschiedlicher Blends musste jede Gruppe eine Mischung auswählen, diese wurde dann von einer Jury bewertet. Den Siegerwein bekam dann jeder Teilnehmer abgefüllt zum weiteren Reifen oder zum Trinken für die nächste Gelegenheit. Was natürlich bei dem von einigen Studierenden designten Etikett eine Sünde wäre:

Etikett Innovino

Die Studienreise klang nach der Rückkehr nach San Francisco im Barrestaurant von 21st Amendment bei Craftbeer, Burgern und Pizza mit Teig aus Kuppelprodukten der Brauerei aus. Anstrengende Tage, aber sehr lehrreich und mit spannenden Diskussionen. Auf ein Neues in 2017!


Customer Centricity und Design

Liebe Leserinnen und Leser,

heute stehen etwas andere Eindrücke im Fokus; obwohl nicht geplant, drehte sich doch vieles am vierten Tag der Reise um Design. Nachdem wir gestern erst bei 500 Startups gelernt hatten, wie wichtig die Designer im Team sind, gab es passend zum Thema heute eine Führung durch die Galerie bei Autodesk. Direkt am Beginn der Market Street gelegen (One Market) bietet sich hier ein guter Überblick über das, was Design heute bietet. Von der Architektur über Design von Fahrzeugen und Musikinstrumenten bis hin zu gedruckten Schalen oder Kleidern reicht derzeit die Spannbreite.

Auch die Filmindustrie setzt Produkte von Autodesk ein, beispielsweise für die Vermischung von realen Bildern und animierten Charakteren oder für Face-Capture im Film Avatar. Alles in allem eine sehenswerte Sammlung, die für Design- und Technikinteressierte sehr empfehlenswert ist.

Am Mittag hatten wir - ebenfalls in San Francisco - die Möglichkeit, mit einem Manager von Taskrabbit über das Geschäftskonzept, die aktuelle Entwicklung und zukünftige Aussichten zu sprechen. Taskrabbit vermittelt sogenannte Tasker (z.B. Putzhilfen, Handwerker...), ist für ein Startup schon recht lange am Markt (gegründet 2008) und setzt eher auf langsames, aber handhabbares Wachstum (eigene Aussage...). Als Taskrabbit zu der Zeit startete, war man eines der ersten Unternehmen, das die "Sharing Economy" ins Auge nahm.

Nach einem etwas längeren Anlauf vervierfachte sich nun im letzten Jahr der Umsatz und man versucht operativ immer im schwarzen Bereich zu arbeiten - bald soll auch insgesamt die Gewinnzone erreicht werden. Die lange Zeit ist offenbar auch den Schwierigkeiten in der Entwicklung des Geschäftsmodells und der Skalierung geschuldet. Die ursprüngliche Idee entstand offenbar daraus, ein persönliches Problem zu lösen, denn es war wohl ein kalter Abend im Osten der USA und die Gründerin hatte kein Hundefutter im Haus und wollte nicht mehr vor die Tür gehen. Daraus entstand der Gedanke, dass dort draußen irgendjemand sein müsse, der in der Nähe eines Supermarkts ist und das Futter auch mitbringen könnte.

Obwohl dieser sehr kurzfristige Bedarf Auslöser für die Gründung war, versuchte man zunächst, Jobs mit einem Vorlauf von drei Tagen zu vermitteln. Das kam aber in der heutigen On-demand-Mentalität nicht so gut an. Inzwischen reagieren die Freelancer auf Anfragen häufig innerhalb einer Minute und sind vielleicht schon in einer halben Stunde vor Ort und bauen das IKEA-Regal auf oder helfen beim Kistenpacken für den Umzug.

Das funktioniert natürlich nur gut, wenn es keine großen Verhandlungen mehr gibt. Auktionen wurden probiert, aber wieder verworfen (zu großer Aufwand). In der mobilen Anwendung per App gibt es nur fixe Preise, in der Webanwendung kann man auch aus unterschiedlichen Angeboten wählen. Bei erfolgreicher Vermittlung kassiert die Plattform bis zu 30% für eine Erstvermittlung und später reduzierte Sätze. So kann der bestverdienende Tasker durchaus auf 12-14.000$ pro Monat kommen. Taskrabbit möchte durch gezieltes Investment in Marketing wie Supply einen stetig größeren Kuchen vom 400 Milliarden Dollar schweren Home Services Markt bekommen. Dazu zählt auch die Expansion nach Europa; mit London gibt es die erste Stadt außerhalb der USA, in der Taskrabbit seine Services anbietet. Mal sehen, ob und wann auch Deutschland erobert wird...

Den Abend ließen wir als Gruppe dann in einer noch größeren Gruppe ausklingen: beim 4. Oktoberfest der German American Chamber of Commerce. Wir waren zunächst etwas skeptisch, ob für Norddeutsche auf Besuch in San Francisco die Teilnahme an einer typisch bayerischen Veranstaltung zu guter Stimmung führt - wir können aber mit Fug und Recht behaupten, dass man hier weiß wie gefeiert wird. Und warum inzwischen die Karten vor dem Fest schon ausverkauft sind. Boy, that was good! Äh, awesome natürlich. Und Girl.


Das Ökosystem der Bay Area und jede Menge Startups

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert den Außenhandel unter anderem über die Außenhandelskammern vor Ort in den jeweiligen Ländern. Als MBA Kurs der Hochschule der Handelskammer Hamburg haben wir einen Termin bei der German American Chamber of Commerce gemacht, um mehr über die Arbeit und die spezielle Wirtschaft in der Bay Area zu erfahren. Die AHK bekommt eine 25%ige Förderung, erwirtschaftet aber den Rest des Umsatzes mit eigenen Dienstleistungen und den Mitgliedschaftsbeiträgen der ca. 3000 Mitglieder.

Wir trafen uns mit dem Geschäftsführer René van den Hoevel in einem Meetingraum eines Cafés Downtown SF, da sich die AHK aufgrund der Mietsteigerungen (von 40$ auf 82$ pro sqft) flächenmäßig verkleinern musste und sich keinen permanenten großen Besprechungsraum mehr leistet. Die Mietsteigerungen zeigen schon, wie die Wirtschaft gerade boomt. Unter anderem führt der Kampf um Talente dazu, dass mehr und mehr Unternehmen aus dem Valley zusätzliche Offices in San Francisco eröffnen, damit die Mitarbeiter nicht Stunden auf dem Freeway verbringen müssen.

Die Situation wird auch deutlich in den Gehältern für Software-Engineers (direkt aus der Hochschule) von ca. 100 bis 200T$ pro Jahr oder der Vergütung für Praktikanten von zwischen 4.500$ (Tesla) und 9.000$ (Pinterest) - pro Monat. Insgesamt ist nach Einschätzung der AHK das Geld nicht der limitierende Faktor im Moment, sondern eher der Mangel an Talenten.

Auch wenn die Märkte attraktiv sind (z.B. Manufacturing mit ca. 11 Billionen USD pro Jahr) spielen bei der Auswahl der Startups eher die persönlichen Werte und Erfahrungen eine Rolle. Letztendlich sind diese aber auch geprägt von den bestehenden Möglichkeiten. Daher rührt wohl die unter anderen die Herangehensweise, dass sich einflussreiche und wohlhabende ehemalige Gründer in das Unternehmen unter dem Motto "it's time to give back" in eine neue Unternehmung einbringen.

Nach dieser Übersicht über die spezielle Wirtschaft in der Bay Area zog es uns dahin, den Umgang mit Startups zu erkunden. Dazu hatten wir einen Termin bei 500 Startups mit Marvin, einem der Partner. Dieser meinte er hätte auch einen Master, er sei nämlich der Master of Sceptic und vertritt dementsprechend auch relativ klare Standpunkte. Konsequenterweise saßen wir für die Diskussion zusammen in der Bullshit-free zone. 500 Startups ist ein Sales & Marketing orientierter Fund und agiert nach dem Spray and Pray Prinzip. Innerhalb der letzten Jahre wurde demnach in relativ viele Startups investiert, dafür waren die Summen nicht so hoch . Üblicherweise werden für 6% der Anteile 150.000 Dollar bezahlt - ohne Verhandlung wie beispielsweise in der Löwenhöhle. Ca. 1,5 aus 10 Startups schaffen es, das sind auch die die das Geld bringen müssen. Der Rest stirbt oder lebt als Zombies weiter. Gründe dafür sind vielfältig, häufig sind offenbar Founder breakups und Veränderungen im Markt bzw. Fehleinschätzungen.

Wichtig ist eine gute Zusammensetzung des Gründerteams, Marvin sieht als wichtig den CEO, den CTO und einen Designer an. Es werden sehr viele Startups analysiert, da dies bis zu 20.000 in einem Jahr sein können muss das oft auch auf einem Gefühl oder Erfahrungswert basieren. Marvin selbst spricht mit ca. 15-30 Unternehmen pro Woche, da man im Valley ist und sich kennt durchaus auch auf Empfehlung eines Bekannten. Sind die Unternehmen Teil des Programms (vier Monate und nicht länger) gibt es Pitch Preps, man arbeitet an den Figures und bekommt Mentoring. Er ist übrigens "a big fan of Mittelstand" und das heißt, dass er auch meint "I don't think a lot of big companies deserve to exist". Zu den Entwicklungen in Europa außerhalb Deutschlands meinte er u.a. "France - boy they fucked up" und "UK - what a bunch of idiots". Da k


ann man nicht groß widersprechen.

Bullshit-free Zone eben.


Social Media, Engagement und Acceleration

Der zweite Tag unserer Reise begann mit einem Termin in San Bruno. De facto - da wir in San Francisco wohnen - allerdings mit einem Stau. Wir schlichen also zusammen mit all den Pendlern, die sich jeden Morgen auf den Weg machen nach Süden. Nach einer guten halben Stunde erreichten wir das erste Ziel des Tages: Dynamic Signal. Hier wird daran gearbeitet, wie man die interne Kommunikation verbessern kann und konsistente Nachrichten über die sozialen Kanäle der Mitarbeiter verbreitet. Ziel ist es, das Employee Engagement hoch zu halten. Damit Mitarbeiter nur die Nachrichten erhalten, die für sie relevante sind, werden entsprechende Segmentierungen vorgenommen. Das nennt sich dann im Jargon "Hyperpersonalized Content". Für die Kommunikation nach außen in das persönliche Netzwerk (z.B. über Twitter, LinkedIn etc.) wird nur ein Bruchteil der Mitarbeiter ausgewählt, damit die Adressaten nicht mit Nachrichten bombardiert werden. So sind von ca. 400.000 IBM Mitarbeitern z.B. nur 15.000 zugelassen, Nachrichten des Unternehmens zu teilen. Freitags arbeiten hier übrigens die meisten Mitarbeiter vom Home Office aus - auch um den Stau zu vermeiden...

Nach einem schnellen Mittagessen - wir wurden wie alle Mitarbeiter zu Wraps eingeladen - ging es zurück nach San Francisco. Dort hatten wir die Chance, bei German Accelerator, einer vom Bund geförderten Einrichtung, zu lernen wie Startups aus Deutschland der Markteintritt in den USA erleichtert werden soll. Da es beispielsweise einen Mangel an Serial Entrepreneurs, Early Adopters und Growth Capital gibt werden gezielt Unternehmen ausgesucht, die dann drei Monate in einem Coworking Space vor Ort arbeiten können. Dabei werden sie von Mentoren begleitet und erhalten in einem Boot Camp Schulungen u.a. zu LEAN Startup. Eines der wichtigsten Themen ist allerdings der Zugang zum Netzwerk, da die Dichte an wichtigen Köpfen in der Tech-Szene nur hier zu finden ist. Zufällig hatten wir die Gelegenheit, mit dem HSBA Absolventen Jonathan Kurfess zu sprechen, der sich mit einer innovativen App für Marketing-Umfragen mit Gamification-Elementen selbstständig gemacht hat (www.appinio.de). Sein Unternehmen ist derzeit im Programm von German Accelerator und wird noch einige Monate gefördert. Wir sind gespannt auf die Fortschritte. Der Besuch gab einen guten Eindruck darüber, wie hier gearbeitet wird.

Und wie klein die Welt manchmal ist...