Kulturelle Unterschiede

Wir hatten ja bei unserer letzten Silicon Valley Reise auch über Startups im Programm von German Accelerator berichtet (Blogpost siehe hier). Dazu passend gibt es einen schönen Artikel auf Deutsche Startups über Oliver Hübler, einen der Gründer von Meisterlabs und dessen Erfahrungen im Silicon Valley. Lesenswert, wie ich finde.


Geschichte wiederholt sich

Es scheint ja immer so, als ob Digitalisierung (oder jeder andere Hype) und die Folgen etwas Brandneues sei. Um das richtig einzuordnen, hilft ein Besuch im Computermuseum (http://www.computerhistory.org) in Mountain View. Relativ schnell wird klar, dass

  1. Computer im (übertragenen) Sinne des Rechenknechts schon über 2000 Jahre existieren - allerdings in immer unterschiedlicher Form, mit ständiger Leistungserhöhung (vgl. Moore's Law)
  2. Die Firmen, die vor dreißig, vierzig oder fünfzig Jahren die Zukunft der Computer darstellten, heute kaum noch jemand kennt. Beispiele gefällig? Acorn, Atari, Bull, Commodore, Compaq, DEC, Next, Olivetti, Schneider, Sun, Tandy, Wang...
  3. sich niemand sicher sein sollte, dass dies heutigen Firmen (in diversen Branchen) nicht auch passieren könnte. Die Paranoia, die vielen CEO's oder Gründern im Silicon Valley zu eigen ist, hat da durchaus ihre Berechtigung. The Rise and Fall of Apple, die dies ja schon mal durchgemacht haben ist da auch immer ein gutes Beispiel.

Auch im eigenen Leben kann man manchmal feststellen, wie schnell sich Dinge wiederholen. In der Designausstellung bei Autodesk hatten wir bei der Führung (vgl. Customer Centricity und Design) unter anderem einen Babywärmer gezeigt bekommen, der vor allem Frühchen mit konstanter Temperatur versorgen soll. Dies ist in Gebieten ohne gute Erstversorgung oder Ausbildung im Umgang mit Brutkästen überlebenswichtig. Wie es der Zufall nun so wollte haben wir an einer öffentlichen Vorlesung der Engineeringfakultät der Uni Stanford teilgenommen. Dort sprach Jane Chen, Absolventin der Fakultät und eine der Ersten, die an den Design Classes der d.school teilgenommen hatte. Jane als Stanford-Alumna ist Co-Founder und CEO der Firma Embrace Innovations. In den Designklassen ist immer auch ein Fokus auf Low-Cost-Lösungen für Entwicklungsländer (Entrepreneurial Design For Extreme Affordability) gelegt, um die soziale Verantwortung zu stärken und zusätzliche Herausforderungen für das Design zu generieren. Daraus entstand die Lösung für einen tragbaren Kinderwärmer, der keine kontinuierliche Energie benötigt. Eine interessante Lösung und obwohl ein solcher Wärmer nur 1% eines konventionellen Inkubators kostet, muss er trotzdem durch ein Produkt für die "Erste Welt" querfinanziert werden. Dem Vortrag war insgesamt anzumerken, dass Jane diesen schon öfter gehalten hat und TED-Erfahrung mitbringt - sehr kurzweilig und emotional. Eine schöne Geschichte auch für das Netzwerk im Valley und die Bereicherung der Hochschulen durch ihre Alumni.

A propos: Am letzten Abend vor dem Rückflug nach Hamburg trafen wir unseren Alumnus Jonathan noch mal bei Pitch & Beer beim German Accelerator. In den Räumen der Deutsche Bank Labs in Palo Alto gab es ein Mentorentreffen des German Accelerator und die aktuell geförderten Unternehmen hatten Pitches für ihre Produkte durchzuführen. Dabei waren nicht nur Softwareprodukte wie z.B. von 3YOURMIND für das Management von 3D-Druckern, sondern auch Trainingskleidung mit Elektrostimulation, eine neue Kurbelgarnitur für Fahrräder oder ein lebensrettender Luftschlauch für Wassersportler. Im Anschluss gab es bei einem kleinen Snack und Bier die Gelegenheit, entweder die Produkte auszuprobieren oder zu Netzwerken. Beides wurde von allen Beteiligten gut angenommen. Für uns war dies ein passender Abschluss von spannenden zehn Tagen.

Wir arbeiten daran, dies auch für unsere Partner aus den Unternehmen zugänglich zu machen und planen bereits den nächsten Aufenthalt.

Auf Wiedersehen, Silicon Valley.


Sightseeing@SV

Es gibt viel zu sehen im Silicon Valley - auch wenn das dem "normalen" Touristen oft verborgen bleibt. Relativ prominent, jedenfalls wenn man aus Osten über die Bay nach Palo Alto kommt, ist der facebook-Daumen vor 1 Hacker Way. Eine beliebte Fotostation. Wir trafen dort eine Einheimische und ihren Mann (beide in den fortgeschrittenen Dreißigern), die mit ihrem Besuch aus Südamerika ein Foto machen wollten. Bei einer dieser Aktionen sind sie schon mal von jungen Menschen aus dem Auto als "Bunch of Nerds" bezeichnet worden. Es gibt doch immer wieder Überraschungen (oder Kurzsichtige)...

Auch bei Google in Mountain View muss natürlich der übliche "been there, did that"-Stopp erfolgen. Also kurz bei dem Android-Männchen vorbeischauen, sich über den falschen Sonnenstand ärgern (die Food-Trucks waren natürlich auch gerade weg), Foto machen, ein paar Meter über den Campus laufen und wieder zurück zum Auto. Google: abgehakt. In die Büros kommt man eh nicht mehr rein, die Führungen sind nicht so spannend, also mehr ein Muss-Stop.

Fototermin mit dem Androiden auf dem Google Campus
Fototermin mit dem Androiden auf dem Google Campus

Ähnlich verhält es sich mit der Heimadresse von Apple. In Cupertino am Infinite Loop Nr. 1 findet sich ein recht unspektakulärer Haupteingang. Das Gleiche gilt für den angeschlossenen Store, der deutlich weniger repräsentativ und kleiner ist, als man erwarten sollte. Allerdings ist dies der einzige Store auf der Welt, der speziell gebrandete T-Shirts, Kaffeetassen, Thermoskannen oder Karten mit dem Apple-Logo verkauft. Wer also ein echter Fan ist, der muss wohl dort einkaufen. So wie die Japaner, die wir dort trafen und die echte Schwierigkeiten hatten, sich zu entscheiden. Alle anderen müssen nicht unbedingt dahin. Das ändert sich sicherlich mit dem spektakulären Neubau (aber wohl erst in 2018).

Ein leicht zu übersehendes Kleinod ist die Garage, in der Bill Hewlett und David Packard ihr erstes Produkt entwickelten, nachdem ihr Professor in Stanford sie dazu motivierte. Die Garage existiert heute noch und ist als nationales Denkmal ("Birthplace of Silicon Valley") anerkannt. Man kann dort in Downtown Palo Alto einfach vorbeifahren und sich von der Gründermentalität inspirieren lassen. Eine vorbeikommende Nachbarin erzählte uns, dass sie schon Leute gesehen haben, die den Boden geküsst oder in Tränen ausgebrochen sind. Das entscheide dann doch jeder für sich...

Die Garage von Hewlett-Packard
Die Garage von Hewlett-Packard

Einen Gegensatz zu den sonstigen Besuchen stellt ein Besuch bei Oracle dar. Zunächst sind die Gebäude hier der Star. Sechs verspiegelte, mehrstöckige Häuser stehen um einen Teich in Redwood Shores herum - in dem der Trimaran USA 17  liegt, der den Americas Cup 2010 gewonnen hat. Mit knapp dreißig Metern Länge und siebzig Metern Masthöhe durchaus eindrucksvoll. Das Segeln eines solchen Bootes ist dann wohl fast so schwierig wie die Software, die Oracle anbietet. Auffällig ist, dass hier relativ viele Männer in Krawatten und Jacketts herumlaufen. Das erinnert schon fast an Europa und fühlt sich stark nach Konzern an. Wahrscheinlich ist das Besondere hier nicht die Unternehmenskultur...

Oracle Headquarter
Oracle Headquarter