Liebe Leserinnen und Leser,

heute stehen etwas andere Eindrücke im Fokus; obwohl nicht geplant, drehte sich doch vieles am vierten Tag der Reise um Design. Nachdem wir gestern erst bei 500 Startups gelernt hatten, wie wichtig die Designer im Team sind, gab es passend zum Thema heute eine Führung durch die Galerie bei Autodesk. Direkt am Beginn der Market Street gelegen (One Market) bietet sich hier ein guter Überblick über das, was Design heute bietet. Von der Architektur über Design von Fahrzeugen und Musikinstrumenten bis hin zu gedruckten Schalen oder Kleidern reicht derzeit die Spannbreite.

Auch die Filmindustrie setzt Produkte von Autodesk ein, beispielsweise für die Vermischung von realen Bildern und animierten Charakteren oder für Face-Capture im Film Avatar. Alles in allem eine sehenswerte Sammlung, die für Design- und Technikinteressierte sehr empfehlenswert ist.

Am Mittag hatten wir – ebenfalls in San Francisco – die Möglichkeit, mit einem Manager von Taskrabbit über das Geschäftskonzept, die aktuelle Entwicklung und zukünftige Aussichten zu sprechen. Taskrabbit vermittelt sogenannte Tasker (z.B. Putzhilfen, Handwerker…), ist für ein Startup schon recht lange am Markt (gegründet 2008) und setzt eher auf langsames, aber handhabbares Wachstum (eigene Aussage…). Als Taskrabbit zu der Zeit startete, war man eines der ersten Unternehmen, das die „Sharing Economy“ ins Auge nahm.

Nach einem etwas längeren Anlauf vervierfachte sich nun im letzten Jahr der Umsatz und man versucht operativ immer im schwarzen Bereich zu arbeiten – bald soll auch insgesamt die Gewinnzone erreicht werden. Die lange Zeit ist offenbar auch den Schwierigkeiten in der Entwicklung des Geschäftsmodells und der Skalierung geschuldet. Die ursprüngliche Idee entstand offenbar daraus, ein persönliches Problem zu lösen, denn es war wohl ein kalter Abend im Osten der USA und die Gründerin hatte kein Hundefutter im Haus und wollte nicht mehr vor die Tür gehen. Daraus entstand der Gedanke, dass dort draußen irgendjemand sein müsse, der in der Nähe eines Supermarkts ist und das Futter auch mitbringen könnte.

Obwohl dieser sehr kurzfristige Bedarf Auslöser für die Gründung war, versuchte man zunächst, Jobs mit einem Vorlauf von drei Tagen zu vermitteln. Das kam aber in der heutigen On-demand-Mentalität nicht so gut an. Inzwischen reagieren die Freelancer auf Anfragen häufig innerhalb einer Minute und sind vielleicht schon in einer halben Stunde vor Ort und bauen das IKEA-Regal auf oder helfen beim Kistenpacken für den Umzug.

Das funktioniert natürlich nur gut, wenn es keine großen Verhandlungen mehr gibt. Auktionen wurden probiert, aber wieder verworfen (zu großer Aufwand). In der mobilen Anwendung per App gibt es nur fixe Preise, in der Webanwendung kann man auch aus unterschiedlichen Angeboten wählen. Bei erfolgreicher Vermittlung kassiert die Plattform bis zu 30% für eine Erstvermittlung und später reduzierte Sätze. So kann der bestverdienende Tasker durchaus auf 12-14.000$ pro Monat kommen. Taskrabbit möchte durch gezieltes Investment in Marketing wie Supply einen stetig größeren Kuchen vom 400 Milliarden Dollar schweren Home Services Markt bekommen. Dazu zählt auch die Expansion nach Europa; mit London gibt es die erste Stadt außerhalb der USA, in der Taskrabbit seine Services anbietet. Mal sehen, ob und wann auch Deutschland erobert wird…

Den Abend ließen wir als Gruppe dann in einer noch größeren Gruppe ausklingen: beim 4. Oktoberfest der German American Chamber of Commerce. Wir waren zunächst etwas skeptisch, ob für Norddeutsche auf Besuch in San Francisco die Teilnahme an einer typisch bayerischen Veranstaltung zu guter Stimmung führt – wir können aber mit Fug und Recht behaupten, dass man hier weiß wie gefeiert wird. Und warum inzwischen die Karten vor dem Fest schon ausverkauft sind. Boy, that was good! Äh, awesome natürlich. Und Girl.