Das TGIF-Programm war ein leichter Kontrast zu den ersten vier Tagen. Auch vom Wetter her – seit langer Zeit gab es mal wieder etwas Regen, was für Kalifornien wirklich einen Segen bedeutet.

21st Amendment Brewery

Auf der Taskliste stand für den Freitag zuerst der Besuch einer Craftbeer-Brauerei namens „21st Amendment„. Co-Founder Nico Freccia führte uns durch diese relativ neue Anlage. Hier werden ca. 85.000 Barrel Craftbeer pro Jahr gebraut und entweder in Dosen oder in Kegs (Stahlfässer) abgefüllt und dann über die USA verteilt. Damit ist auch schon der USP angesprochen – 21st Amendment war die erste Brauerei, die hochwertiges Bier in Dosen abgefüllt hat. Bis dahin war das eine Angelegenheit für Billigbier und als die Gründer die Idee diskutierten, gab es auch zunächst nur Kopfschütteln. Letztendlich setzten sich aber die Vorteile durch (geringeres Transportvolumen, leichter und robuster als Glas – was vor allem Hiker zu schätzen wussten, sowie Schutz des lichtempfindlichen Bieres). Da zeigt sich, dass es sich lohnt, den Kunden bei der Benutzung zu beobachten oder mit ihm gemeinsam das Produkt zu entwickeln (u.a. mit Design Thinking, Storytelling etc.).

In der alten Kelloggs-Cerealienfabrik, die mit viel deutscher Technik ausgerüstet ist (Künzel, GEA…) werden acht Brauvorgänge pro Tag durchgeführt – übrigens auch mit wichtigen Ingredienzen aus good old Germany. Das was in der Fabrik an einem Tag produziert wird, wurde früher in der kleinen Brauereikneipe in der 2nd Street in einem ganzen Jahr hergestellt. Nach Jahren des zweistelligen Wachstums flacht die Entwicklung jetzt etwas ab – unter anderem deshalb, weil es inzwischen ca. 4700 Mikrobrauereien gibt – mehr als vor der Prohibition…

Buena Vista Winery
In den Hügeln im Norden von San Francisco liegt das Weinanbaugebiet Sonoma Valley westlich vom bekannteren Napa Valley. Das führt dazu, dass mehr kühlender Wind vom Pazifik das Tal entlang weht und die Trauben kühlt, was zu einer langsameren Reifung führt. Am Rande von Sonoma liegt die Buena Vista Winery, dort werden Weine aus den Trauben der Gegend gekeltert. Die Trauben werden dabei von Bauern der umliegenden Weinberge geliefert.
Als Gruppe hatten wir eine spezielle Besichtigung gebucht: die „Be the Count Blending Experience“ (toller Name!). Nach einer kurzen Führung durch die Keller durften die Studierenden zunächst Weine kosten, bevor sie in drei Gruppen aufgeteilt wurden. Diese drei Gruppen traten dann beim Blending von Rotweinen gegeneinander an. Aus Grenache, Merlot, Zinfandel und Syrah galt es, mit Hilfe von Messzylinder und Pipette die beste Mischung herzustellen. Nach etwas Ausprobieren (Prototyping) und dem Vergleich unterschiedlicher Blends musste jede Gruppe eine Mischung auswählen, diese wurde dann von einer Jury bewertet. Den Siegerwein bekam dann jeder Teilnehmer abgefüllt zum weiteren Reifen oder zum Trinken für die nächste Gelegenheit. Was natürlich bei dem von einigen Studierenden designten Etikett eine Sünde wäre:

Etikett Innovino

Die Studienreise klang nach der Rückkehr nach San Francisco im Barrestaurant von 21st Amendment bei Craftbeer, Burgern und Pizza mit Teig aus Kuppelprodukten der Brauerei aus. Anstrengende Tage, aber sehr lehrreich und mit spannenden Diskussionen. Auf ein Neues in 2017!